Erinnerungen an die Paddelwochen durch Serbien vom 26. Juli bis 13. August 2004

Wochenlang drehte sich alles um "die TID". Vorfreude und Erwartung waren riesengroß. Sogar ein neues Boot wurde angeschafft. Endlich kam der ersehnte Tag der Abreise mit dem Bus der deutschen TID-Freunde, Montag, 26. Juli 2004, Korneuburg. Nach der „kleinen“ Verspätung von 3,5 Std. geht die Reise ab Richtung Serbien.

 Gegen 23.30 Uhr erreichten wir Mohacs. Es ist stockdunkel, strömender Regen und kalt. Wir und einige andere würden deshalb gerne die restliche Nacht im Bus verbringen. Zu unserer maßlosen  Enttäuschung wird dies verweigert. Also Boote abladen, Zelte aufbauen unmittelbar neben dem Bus bei fürchterlichem Regen, des Nachts auf einem fremden Platz mit Millionen lüsterner Gelsen. Zum Glück sind Gedanken nicht lesbar. Die Tour fängt ja gut an.

 Das Schlechtwetter hielt leider noch die restliche Woche an, und das im Hochsommer. An manchen Tagen schätzten wir die Temperatur auf nicht mehr als ca. 15 Grad in der Früh.

 In Apatin, der ersten Etappenstation, heiterte uns der Anblick von zwei riesigen Fischsuppenkanonen, die für unser Eintreffen vorbereitet wurden, auf. Hier konnten wir uns vor den Öfen während des Zeltaufbaus etwas aufwärmen. Zur Begrüßung der „TID-Horde“ machten sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Mühe uns mit herzlichen Worten zu empfangen. Die Fischsuppe war heiß und köstlich, die Aussicht auf die Donau wunderschön – nur wir froren. Um die Beine etwas zu vertreten, machen wir einen kurzen Spaziergang in die kleine liebliche Ortschaft.

 Eingepackt in Paddeljacke, Kapuze, Mütze, Handschuhe, Pullover, Socken und Spritzdecke ging die Fahrt am nächsten Tag um ca. 7.30 Uhr weiter. Alle wollten sich warm paddeln. Entspannte Urlaubsgesichter waren nirgends zu entdecken.

 Über die der „TID-Horde“ entgegengebrachte Gastfreundschaft kam ich aus dem Staunen nicht heraus. An sämtlichen Campingstellen wurden wir äußerst freundlich empfangen, großzügig und großartig mit Essen und Trinken bewirtet. Der Begrüßungstrunk mit dem Nationalgetränk Raki fehlte fast nirgends und überall drückten namhafte Persönlichkeiten, beginnend vom Sportminister für Serbien und Montenegro über Bürgermeister und Vereinsvertreter herzliche Willkommensworte aus.

 Zum Beispiel durften wir in Bogojevo in den Gärten der privaten Wochenendhäuser campieren. Diese Gärten waren gemäht und für uns - die TID-Horde - vorbereitet! Und zu Ehren der Paddler gab es, obwohl Schlechtwetter, Folklorevorführungen im Freien und jeder bekam zum Willkommensgruß einen Stoffhut mit dazupassender Tasche.

Zwei Musikkapellen spielten zum Tanz auf. Auch wir tanzten auf der vom Regen aufgeweichten Wiese neben einem aufgestellten großen Zelt, wo wir uns das köstliche kostenlose Abendessen in Form eines Backhendls, Bier, Wein und Käse schmecken lassen. Sogar für unsere Weiterreise war vorgesorgt, wir erhielten ein Lunchpackerl mit Brot und Käse sowie eine Flasche Sauermilch.

 Die Donau zeigt sich im ganzen Land breit, glatt und ruhig, es geht aber verhältnismäßig flott voran. Vorbei an Burgruinen, kleinen idyllischen Dörfern, aber auch an vom Krieg zerstörten Gebäuden, besonders traurig anzusehen die Stadt Vukovar. Rechts anzulanden ist nicht erlaubt, da feindliches Ufer Kroatien.

 Der nächste Campingplatz in Backa Polanka liegt malerisch an einem ruhigen Seitenarm der Donau. Es wurde uns Bustransfer in die Stadt mit Bummel durch den herrlich bestückten Gemüsemarkt geboten. Die Einladung zum Abendessen erfolgte für 19 Uhr auf der Terrasse im nahe gelegenen, sehr gemütlichen Restaurant. Der Abend klang mit einem schönen, viel versprechenden Sonnenuntergang aus. Es wurde wärmer und wir konnten den Tag mit einem kurzen Bad im See schließen.

 Weiter ging's auf träger Donau. Paddeln, paddeln, paddeln und wieder paddeln. Umgerechnet sind es Tausende Kilos, die wir schaufeln. So berechnen wir z.B.: Während 6 Stunden in jeder Sekunde 1 Paddelschlag mit ca. 100 dag Gewicht, ergibt ca. 21 Tonnen Schaufeln! Die Sehnsucht nach der Fließgeschwindigkeit von Wildwasser wird groß.

 Ab Mohacs beteiligten sich insgesamt 9 Österreicher aus OÖ, NÖ und Wien. 5 davon mussten ab Belgrad nach Hause, zwei aus OÖ., Rudi und Christian, kommen neu dazu.

Im Laufe der Zeit fanden sich kleine Gruppen von Paddlern zusammen. So auch wir. Bayern, Oberösterreicher und Wiener. Dieses Gemisch konnte nur gut gehen und so wurde aus der teilweise mühsamen Paddlerei ein Dahingleiten mit Geplauder und fröhlicher Unterhaltung und Jausenpausen am Ufer. Bedauerlicherweise war der Wasserstand verhältnismäßig hoch, sodass von den verlockenden Inseln nur die Baumkronen aus dem Wasser herausragten. Und direkt ins Geäst vom Boot aus zu steigen können nur wenig Kajakfahrer. Wir leider nicht. 

 Belgrads Zeltplatz mussten wir erst teilweise vom Müll säubern. Nicht sehr einladend, im Gegensatz zum gebotenen Empfang mit großzügigem Abendessen.  Eine Zweimann-Kapelle spielte auch hier zum Tanz auf, was nach einigem Zögern ebenfalls von den "TID-lern" gut genützt wurde.

Am Ruhetag wurde die Festung Kamelegdan sowie die Stadt besichtigt, aber auch Wäschepflege und andere Reinigungsarbeiten erledigt. 

Die Nacht am Zeltplatz war weniger gemütlich, denn sie wurde mit lautstarker, den Boden erzittern lassender High-Tech-Musik bis 4 Uhr früh untermalt. 

Unausgeschlafen verließen wir Belgrad, auf ruhig dahin fließender Donau bis Stari Slankamen. Hier belagerten uns Kinder, die sich über mitgebrachte Tennisbälle und andere Kleinigkeiten riesig freuten. Es wurde uns erlaubt, die Duschen des Rehab-Zentrums zu benützen.

Unsere nächste Mittagsrast legten wir in Vinca in einem schmucken Holzrestaurant mit echtem serbischem Fischgericht ein. Hier besteht die Möglichkeit Ausgrabungen zu besichtigen. Elfi aus Nürnberg und ich ließen uns das nicht entgehen und wir erhielten eine persönliche Kurzführung. Dabei durften wir eine gefundene Vase aus der Zeit von ca. 5000 bis 4000 v. Ch. und mehrere Gegenstände in die Hand nehmen(!) - ein eigenartiges Gefühl. Dieses archäologische Museum ist im Aufbau und kann ab 2005 offiziell besichtigt werden.

Wir mussten uns etwas beeilen, da ein Gewitter bereits donnernd aufzuziehen begann und es nach Regen roch. Zu fünft ging’s weiter nach Smederevo auf dem langsam fließenden behäbigen Wasser. Das Gewitter erzog sich aber Gott sei dank.

 Die Nacht wurde leider wieder mit High-Tech-Musik bis 4 Uhr früh begleitet. Diese enorme Lautstärke wurde offensichtlich zu unser aller Entsetzen genutzt, um einiges aus verschiedenen Booten zu stehlen. Es ist uns eine Lehre: Nie etwas außerhalb des Zeltes belassen!

 Mein Misstrauen war daher groß in Veliko Gradiste. Unsere Zeltstadt war im Nu von Kindern und Jugendlichen zum Tummelplatz und Fangspiel quer durch und über die Zelte umfunktioniert. Spät des Nachts kehrt Ruhe ein. Passiert ist nichts.

 Die Ufer der Donau werden nun am rechten Ufer hügelig und ähneln sehr unserer Wachau. Die schönen Schotterstrände nehmen zu und laden zum Rasten und Baden ein. Kühe, Pferde, Schweine und auch Störche nutzen die flacheren Uferabschnitte zur Tränke.

 Endlich hielt die Warmwetterperiode an und brachte Hochstimmung.

 Das Eiserne Tor rückte von Tag zu Tag näher. Eine Antriebsfeder für fast jeden TID-ler, ein mit Neugier erwarteter Höhepunkt. Unsere Freude wurde leider sehr getrübt durch heftiges lang anhaltendes Gewitter mit Platzregen wie Vorhänge. Ziemlich endlos und mühsam war das Paddeln bis zum "Toreingang" mit seiner Festungsruine Golubac, die rechts erhöht am Ufer thront. Niemand hatte Lust bei diesem Wetter auszusteigen und sie zu begehen. Jeder schaufelte verbissen weiter. Schade.

 Doch auch die Sonne kam wieder mit einer Überraschung. Ein Ansässiger mit laufender Filmkamera winkte uns ans Ufer. Ich dachte, es sei das örtliche Fernsehen, da doch der TID-Präsident Max mit uns unterwegs war. Etwas zögernd fuhren wir heran. Nun zeigte sich wieder die großartige Gastfreundschaft. Wir wurden auf die Terrasse eines Uferhauses zu Schnaps und türkischem Kaffee eingeladen. Nur einfach so! 

Eine gemütliche Runde bildete sich. Und da unsere Boote deutlich sichtbar am Donauufer lagen, kamen noch weitere TID-Leute heran, im Glauben, es sei ein öffentliches Lokal. Ich erwähnte zum Hausherrn, es würden noch Hunderte kommen, worauf er sich bekreuzigte - allerdings lachend. Sein zehnjähriger Sohn Nikola fungierte als Dolmetscher und wir tauschten unsere e-mail-Adressen um in Verbindung zu bleiben.

 Nachdem wir weggefahren waren, folgte uns eine Fischerzille. Es war Nikola mit Vater, sie brachten dem TID-Präsidenten Max einen serbischen Sonnenhut zur Erinnerung an diese schöne Begegnung.

 Der nächste Tag führte uns durch die berühmte Engstelle der Donau, worüber wir  nicht nur schöne, sondern auch schaurige Erzählungen hörten. Angefangen von wildesten Wellen bis Sturm und sogar Kenterungen. Wir hatten jedoch Glück, der gefürchtete Koschowa-Sturm verschonte uns. Der Wellengang war zwar hoch aber zu meistern. Die Ufer bestehen hier aus steilen Felswänden, teilweise bewaldet. Auf der linken Donauseite – Rumänien – befindet sich eine ca. 50 m tiefe, mit dem Kajak befahrbare Höhle – die Veteranihöhle. Es ist ein Muss hinein zufahren. Kurz stiegen wir drinnen aus um Fotos zu schießen.

 Ein schmackhaftes Erlebnis bot die Weiterfahrt. Unsere jungen Freunde Christian und Rudi erstanden um 5 € einen Waller, mit der Absicht, ihn auf der sogenannten "TID-Wiese" zu grillen. Hans aus Wismar, Elfe aus Nürnberg, TID-Präsident Max, Soltan - der immer vergnügte Professor aus Ungarn -, Gerhard aus Wien und ich sowie Robert aus Tirol sind mit dabei. Gemeinsam wird der Fisch zerlegt und vorbereitet. Erstaunlich, was da aus den einzelnen Booten hervorgeholt wurde. So gab es plötzlich Bratgeschirr sowie allerhand Kräuter- und Fischgewürze, Brot, Wein, zur Nachspeise Pfirsiche und einen Kaffee aus der Espressomaschine. Sogar Geschirrtücher und  Abwaschmittel wurden hervorgekramt. Am Hang im Gras sitzend mit Blick auf die Donau wurde der Schmaus neckend und spaßend genossen und vor der Weiterfahrt noch in der Donau gebadet. Abenteuer pur!

 Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit trafen wir in Dobra ein. Der Fußballplatz war unser Zeltplatz und wieder war der Empfang großartig mit gebratenem Fleisch, Brot und Getränke. Wir hockten bis Mitternacht gemeinsam im Freien.

Nach der Schleuse Djerdap I ging’s unserem Urlaubsendziel entgegen. Bei strahlendem Sonnenschein erfreuten wir uns noch einmal des Donauufers mit einer Flasche "Präsidentenwein" - gespendet vom TID-Präsi Max.

 Langsam erreichten wir den schönen, romantisch zwischen den Mauerresten der Festung Kladovo gelegenen natur belassenen Campingplatz, wo wir ebenfalls noch schwimmen gehen und den lauen Abend mit den Neuangekommenen verbrachten und uns erst um Mitternacht in die Zelte verkrochen. Vorher wurden noch die Faltboote für die Heimreise zerlegt. 

 Am nächsten Tag, dem 13. August 2004 brachte der Bus aus Deutschland und Österreich neue TID-Begeisterte, wir werden  - leider viel zu früh am Morgen ein wenig wehmütig – nach Wien heimtransportiert.

 Gerhard Bobretzky, Erika Sommerauer